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Gesucht: Ötztaler Rock Stars

„Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess’ ich nimmer!“ Das ist der Merkspruch für die drei wichtigsten Gesteinsarten im Ötztal. Diesen und anderen so seltenen wie schönen Mineralien setzen sich seit Jahrhunderten Groupies besonderer Art auf die Spur, die „Stoasucher“, auch „Strahler“ genannt. Die Auftrittsorte ihrer Rock Stars halten sie am liebsten geheim. Doch über ihre Kenntnis der kostbaren Gesteine erzählen sie gern.

Tiefes Schweigen im Wald

Lauer Föhnwind strömt durch das untere Ötztal. Zwischen hohen Föhnwolken kommt immer wieder die Sonne durch und wirft lange Strahlen in die Lichtungen des Lärchenwalds. Abgesehen vom Wind ist es still hier.

Walter Riml, ein Mineralien-Sammler aus Umhausen, quert wortlos die steilen Hänge. Gelegentlich kratzt er mit seinem alten Alu-Eispickel über die wirr ineinander verkeilten Blöcke aus Glimmer und Schiefer. Mit einem Mal heben sich seine Mundwinkel. Scheinbar ist er fündig geworden. Vor ihm liegt eine silbern schimmernde Felsplatte.

Walter Riml quert Hang - Mineraliensuche im Ötztal
Steinsucher Riml geht nur allein auf Schatzsuche.
© Bernd Ritschel / Ötztal Tourismus
Porträt Walter Riml - Mineraliensuche im Ötztal
Walter Rimls Passion kennt keine Pension.
© Bernd Ritschel / Ötztal Tourismus

Im Bann der Leidenschaft

Walter Riml war bis zu seiner Pensionierung Skilehrer, Skilanglauflehrer und Bergwanderführer. Also immer schon unterwegs in den Alpen. In den 1990er Jahren hat ihn der Südtiroler David Gufler mit der Leidenschaft fürs „Stoasuchen“ infiziert.

Seither ist er oft am Tiroler Hauptkamm unterwegs, um nach Bergkristallen, Granaten und anderen Schätzen aus Stein zu suchen. Früher, als Bergwanderführer, hat er auch kleine Gruppen zum „Strahlen“ in die Täler und Flanken am Gurgler Kamm geführt. „Ich hab halt gewusst, wo die guten Plätze sind,“ sagt er, „deshalb hat jeder Gast etwas gefunden“.

Schatzkammer im Souterrain

Wüsste es von ihr, würde heute jedes naturkundliche Museum Walter Riml um seine kostbare Mineraliensammlung beneiden. Ein wenig Geld konnte er schon immer durch seine Leidenschaft verdienen.

Die großen Hotels im Tal und auch die Tourismusverbände sind seit langem dankbare Abnehmer für seine exklusiven und oft auch einzigartigen Fundstücke. Heute geht er nur noch alleine zum „Stoasuchen“. Seine Schätze hütet er stimmungsvoll beleuchtet im Keller seines Hauses in Umhausen. Um sie allein zu genießen und stolz privaten Gästen wie mir zu zeigen.

Walter Riml präsentiert Granaten - Mineraliensuche im Ötztal
Die Rock Stars eines „Strahlers“ brauchen auch Rampenlicht.
© Bernd Ritschel / Ötztal Tourismus

Weiche Geschichten von harten Gesellen

Walter Riml prüft Granaten - Mineraliensuche im Ötztal
Den scharfen Blicken geübter Mineraliensammler entgeht keine Kostbarkeit. Mit Sehhilfe und ohne.
© Bernd Ritschel / Ötztal Tourismus

Ganz sanft, fast zärtlich streicht Walter über eine viele Kilogramm schwere Felsplatte. Sie ist über und über mit rötlich-braunen Granaten besetzt. Dann knipst er ein kleines Licht an, richtet den Lichtstrahl auf die Mitte des Steines und klappt seine in die Jahre gekommene Vergrößerungsbrille herunter. Konzentriert prüft er die Qualität der Einschlüsse. Jeder Stein ist ein Teil seines Lebens als Mineraliensammler. Aber auch diese Felsplatte ist nur eine von vielen. Zu jeder könnte er eine Geschichte erzählen. Über die Jahre und Jahrzehnte hat er hunderte von Steinen von verschiedenen Fundorten am Gurgler Kamm herunter getragen.

Der Berg der Berge

Blick auf Hochfirst und Granatenkogl - Mineraliensuche im Ötztal
Schroff, steil, gefährlich: der Granatenkogel gibt seine Schätze nur sehr erfahrenen Bergsteigern preis.
© Bernd Ritschel / Ötztal Tourismus

Allein am Granatenkogel war Walter Riml mehr als 150 Mal unterwegs. Oft schleppte er im Abstieg mehr als 30 Kilogramm zu Tal. Schiefer, Glimmer, Granit und Muskovit füllten dann seinen zerschlissenen Rucksack. Vielleicht macht er ja gerade deshalb, trotz seiner 74 Jahre, noch immer einen so unglaublich fitten Eindruck. Genau das ist dort oben auch nötig, sagt er: „Die Flanken am Granatenkogel sind steil, ausgesetzt und brüchig, überall Absturzgelände. Dort darf nur hinauf, wer ein absolut sicherer Bergsteiger ist“. Bergwanderer, die einmal ohne Absturzrisiko „strahlen“ wollen, könnten im Gaisbergtal bei Obergurgl fündig werden. Dort sind bereits am Wegesrand immer wieder schöne Granaten zu entdecken.

Walter Riml legt Hand auf Stein - Mineraliensuche im Ötztal
Sehen und Begreifen, das ist dem „Stoasucher“ eins.
© Bernd Ritschel / Ötztal Tourismus

Das geheime Feuer der Leidenschaft

Eine Bergstrasse im Ötztal. Walter Riml möchte mir eine weitere eindrucksvolle Fundstelle zeigen. Wortlos springt er aus meinem Auto, über der Schulter seinen alten, violett-grünen Rucksack. Er sprintet über die Strasse, Sekunden später hat ihn der dichte Lärchenwald verschluckt.

Als ich ihn wenig später darauf anspreche, meint er nur: „Nicht dass mich ein Einheimischer oder gar ein anderer Strahler sieht, den Platz hier will ich noch eine Weile geheim halten. Dein Auto, Bernd, das kennt hier ja keiner.“ Seine Worte machen mir klar: das Feuer des „Strahlens“ brennt am besten im Verborgenen. Und wer es in sich spürt, der kennt keinen Ruhestand.

(Titelbild: © Rudi Wyhlidal / Bergbahnen Sölden)

Facts

Grundsätzlich ist die Mineraliensuche in Tirol erlaubt. Im § 28 des Tiroler Naturschutzgesetzes wird jedoch explizit auf den Schutz von Mineralien hingewiesen. Das heißt unter anderem: als Werkzeug ist nur Hammer und Meißel zugelassen, und Flurschäden jeglicher Art (z.B. an der Grasnarbe, an Moosen etc.) sind zu vermeiden.

“Faszination Geologie” heißt ein Flyer, den der Naturpark Ötztal herausgebracht hat (HIER als PDF erhältlich). Er stellt die wichtigsten Gesteine, Mineralien und Formationen im Ötztal vor und gibt Tipps für Wanderungen, bei denen du interessante gesteinskundliche Beobachtungen machen kannst. Der Naturpark Ötztal organisiert auch geführte geologische Wanderungen. Mehr über Geologie und Gesteine des Ötztals erfährst du HIER auf der neuen Naturpark Ötztal Website.

Die EDELSTEINZEIT im Rahmen der ALMZEIT in Sölden führt dich zum FERIENCLUB Silbertal. Im Gasthaus auf 2.040 m kannst du das größte Mineralienmuseum Tirols bestaunen.

Gastautor Bernd Ritschel

Seit frühester Jugend lebt und liebt Bernd Ritschel die Bergwelt der Ötztaler Alpen. Er wurde 1963 im oberbayerischen Wolfratshausen geboren und lebt heute mit seiner Familie in Kochel am See. Seit mehr als 25 Jahren liegt ein Schwerpunkt seiner fotografischen Arbeit im Ötztal und den angrenzenden Bergregionen.

Mehrere Bildbände über die Ötztaler Alpen, viele Kalender, Ausstellungen, Poster und Postkartenserien spiegeln die Vielfalt und Leidenschaft seiner Fotografie in dieser Region wieder.

Gastautor Bernd Ritschel - Mineraliensuche im Ötztal
© Bernd Ritschel

Ötztal Magazin

Im ÖTZTAL MAGAZIN Sommer 2017 kannst du Bernd Ritschels Geschichte “Glanz und Geheimnis der Kristalle” lesen und seine “Stoasuchbilder” anschauen. Das Printmagazin mit den aktuellsten und  interessantesten Geschichten zur Ötztaler Frühlings-, Sommer- und Herbstsaison erhältst du in den Sprachen D/EN/NL kostenlos in allen Informationen des Ötztal Tourismus. Unter der Adresse www.oetztal.com kannst du es bestellen und dir frei Haus zustellen lassen oder als Blätterkatalog betrachten.

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