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Gurgl hat was: Die spektakulärsten Klassenzimmer der Alpen

In den Ferien freiwillig zur Schule gehen? Macht Spaß, weiß das Universitätszentrum Obergurgl und lädt daher seit 17 Sommern Jugendliche ein, das Hochgebirge in dreitägigen Kursen zu erforschen. Geh mit in die vier spannendsten Frei- und Lehrräume der Natur im Ötztal!

Eine komfortable (Jugend-)Herberge

Universitätszentrum Obergurgl von Innen - Hochgebirge in Gurgl erforschen
© Universitätszentrum Obergurgl / Alexander Lohmann

Am Ortsrand liegt die Außenstelle für Hochgebirgsforschung der Universität Innsbruck, das Universitätszentrum Obergurgl. Die drückende Augustschwüle lässt sich auf knapp 2.000 m gut aushalten. Trotzdem treibt mich die Neugier ins Gebäude. Alle Achtung: Es hat sich ausgezahlt, dass der Zoll vor knapp hundert Jahren drei sehr solide Steinhäuser als seine Station in den Ötztaler Alpen gebaut hat. Modern renoviert, ist das Ensemble heute ein einladendes Hotel mit 43 Gästezimmern, Tagungsräumen, Sauna und Bar. In die hochalpine Ruhe schwappt plötzlich eine große Welle Lärm: Acht Jugendliche zwischen zehn und 15 Jahren sind gerade mit dem Linienbus aus Haiming eingetroffen. Ihr Kursleiter Florian Westreicher erklärt in einer kurzen Begrüßungsansprache die Lernziele und die Hausordnung.

Lehrsaal 1: Die Schatzkammer Zirbenwald

Gruppe Kinder beim Grillenspiel im Zirbenwald - Hochgebirge in Gurgl erforschen
© Lutz Bormann

Die Schlacht, wer mit wem in welches Zimmer darf, ist entschieden. Wir starten zum Naturdenkmal Obergurgler Zirbenwald, dessen Lehrpfad 2017 gründlich erneuert wurde. Wissenschaftsvermittler Florian unterstützt hier der Mittenwalder Molekularbiologe und Naturpädagogen Danny Böttger. Im Zirbenwald packt Danny sein Spezialwissen über Insekten im Hochgebirge aus, fängt eine Jagdspinne und reicht sie im Becher zur Beobachtung mit der Lupe herum. Daher der Begriff „Becherlupe“ denke ich mir und reihe mich brav bei den Lernenden ein, die sich gerade hoch konzentriert um Danny scharen. „So fasst ihr ein Heupferd an und so fangt ihr Grillen und Heuschrecken, ohne sie zu verletzen“, demonstriert Danny und jeder darf es mal ausprobieren. Die Portion Wissensnahrung war offensichtlich groß genug, es reicht erst einmal. Die Krabbeltiere haben Pause. Doch die Neugierde der Jugendlichen ist geweckt. Anna sieht eine Zirbelkiefer, die der Blitz getroffen, aber nicht gefällt hat. „Wie hat sie den Einschlag überlebt?“, fragt Anna. Also steigen Danny und Florian ins nächste Wissensgebiet ein. Statt mit Lehrbuchbotanik zu langweilen, stilisieren sie das harte Leben der Zirben zum Alpenkrimi. Mit der Lupe können die Jugendlichen anhand der Jahresringe das Alter der zähen Bergbäume bestimmen.

Lehrsaal 2: Das Gelände am Gaisbergferner

Kinder vor Gletscherzunge - Hochgebirge in Gurgl erforschen
© Lutz Bormann

Am nächsten Morgen gesellt sich Reinhard Starnberger zu Kursleiter Florian. Er arbeitet an der Uni Innsbruck am Institut für Geologie und Paläontologie und wird uns gleich, bewaffnet mit Geologenhammer, Klappspaten und Pipettenflasche die Eiszeiten und die Gletscherbewegungen erklären. Die Bergbahn verkürzt den Weg zum Gaisbergferner, wo es mit allen Utensilien kräftig zur Sache geht. Felsformationen, Verwerfungen, Bänder, Gesteinsarten und Einschlüsse – ob das alles bei den Kids hängen bleibt? Egal. An diesem Tag gilt ihre Aufmerksamkeit dem Gletschertor, der Gletscherzunge, sie durchsuchen den Geschiebeschutt nach Granat und klopfen auf Gesteinsproben herum, beträufeln sie mit Salzsäure, um Kalkadern zu entdecken. Meine Bedenkenträgerei wird beim langen Abstieg ad absurdum geführt. Danny veranstaltet eine mobile Lernzielkontrolle mit erstaunlichem Erfolg. „Wow, die haben sich fast alles gemerkt“, sagt Reinhard und schwenkt kurz vor dem Universitätszentrum noch in den Bergwald, um besondere Sedimentschichten zu zeigen. Dann ist der Akku bei Kids und Erwachsenen endgültig leer.

Lehrsaal 3: Ötzis steinzeitlicher Lebensraum

Ötzi Fundstelle - Hochgebirge in Gurgl erforschen
© Ötztal Tourismus / Alexander Lohmann

Der nächste und letzte Kurstag ist der alpinen Archäologie gewidmet, die durch den weltberühmten Ötzi-Fund ins Rampenlicht getreten ist. Am Vorabend lernen wir die Wissenschaftlerinnen Christine Oberauer, Claudia Holzhammer und Elisabeth Rastbichler vom „Schatztruhe“-Team kennen. Letztere war bei der Gründung der Jungen Uni Innsbruck 2001 dabei, als zum zehnjährigen Jubiläum des Ötzi-Funds vor allem Jugendliche die offenen Uni-Türen „einrannten“. „Ich verdanke dem Ötzi meinen ersten Lehrauftrag und durfte das Konzept der ersten jungen Uni im deutschsprachigen Raum begleiten. Aus dem halbjährigen Forschungsauftrag sind inzwischen 27 Jahre Leben an der Uni geworden“, erzählt Elisabeth Rastbichler.

Lehrsaal 4: Der Naturpark Ötztal

Naturpark Ötztal Infopoint Hohe Mut Alm - Hochgebirge in Gurgl erforschen
© Liftgesellschaft Obergurgl / Alexander Lohmann

Vom Universitätszentrum Obergurgl ist es nur eine kurze Bergbahnfahrt zum Infopoint Hohe Mut des Naturparks Ötztal in der Bergstation. Hier können vom Kind bis zum Erwachsenen alle wissbegierigen Leute spannende Einblicke in die Ötztaler Gletscherwelt und ihre Flora und Fauna gewinnen. Naturparkleiter Thomas Schmarda, verantwortlich für die Infopoints im ganzen Tal und für das neue Naturparkhaus in Längenfeld, erzählt, dass Kinder und Jugendliche im Ötztal fast ganzjährig die Schule der Natur besuchen können: „Über 1.000 Kinder besuchen jährlich die Kurse der Naturparkschule, Exkursionen und Veranstaltungen. Wir wollen Naturwissenschaft nicht vom Pult herab, sondern direkt in der Natur vermitteln, damit mehr Sensibilität für ihre schützenswerte Schönheit entsteht.“

Info

Die jeweils aktuellen Kursangebote, Booklet-Downloads, Termine und Infos findest du unter www.uibk.ac.at/jungeuni und www.naturpark-oetztal.at

(Titelbild: © Lutz Bormann)

Gastautor Lutz Bormann - Zirbenwald Obergurgl-Hochgurgl
© Lutz Bormann

Gastautor Lutz Bormann

Lutz Bormann (Jahrgang 1956), kam im Alter von zehn Jahren zum Bergsteigen und durfte seit 1991 die Leidenschaft mit dem Journalistenberuf verbinden: Zuerst kam das Magazin BERGE, dann DAV Panorama beim Deutschen Alpenverein und im eigenen Redaktionsbüro eine Palette weiterer Outdoor-Magazine.

Der Familienstand machte die Berge zwar steiler, die Routen kürzer und die Texte länger, doch inzwischen bringt mich die Arbeit für das ÖTZTAL MAGAZIN und die Bergrettung Tirol meiner Bergleidenschaft wieder näher.

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ÖTZTAL MAGAZIN

Unser Gastautor war beim Jugend-Kurs 2018 im Universitätszentrum Obergurgl dabei. Seine Reportage „Von Grillen und Gletschern“ kannst du im ÖTZTAL MAGAZIN Sommer 2019 lesen. Das Printmagazin mit den aktuellsten und interessantesten Geschichten zur Ötztaler Frühlings-, Sommer- und Herbstsaison erhältst du in den Sprachen DE/EN/NL kostenlos in allen Informationen des Ötztal Tourismus. Unter der Adresse www.gurgl.com kannst du es bestellen und dir frei Haus zustellen lassen oder als Blätterkatalog betrachten.

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Von modern bis urig!

In Obergurgl-Hochgurgl warten auf dich 4**** und 5***** Sterne Hotels, Pensionen, stilvolle Appartements und Unterkünfte mit top Ausstattung. Auf High Quality Service legen wir ab Beginn deiner Reise großen Wert. Online zu buchen, über unsere Plattform, heißt gleichzeitig eine einheimische Urlaubsberatung zu erhalten.

Du profitierst von exklusiven Spezialangeboten, kompetenter Auskunft und einer gebührenfreien Buchung – somit ist deine Reiseplanung bereits ab der Buchung entspannend. Wir haben Unterkünfte für Pärchen, Familien, oder für Urlaub mit Freunden. Auf unserer Obergurgl-Hochgurgl Buchungsplattform findest du bestimmt deine ideale Unterkunft im Diamant der Alpen. Viel Spaß beim Stöbern & Finden deiner Traumunterkunft!

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... verschiedene Gastautoren berichten über ihre Erfahrungen im Ötztal.

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