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Auf der Spur des Gletscherflohs

Ein fester Termin im Kalender der Ötztaler Wander-Highlights ist alljährlich im August der bekannte „Ötztaler Gletscherflohmarsch“. Er führt von Obergurgl nach Vent, misst 16 km und 1300 Höhenmeter. Wer die Strecke in acht Stunden schafft, darf feiern. Sei dabei!

Doch, es gibt ihn wirklich: den Gletscherfloh. Er lebt im ewigen Eis, er tritt meist massenhaft auf und sein lateinischer Name ist Desoria saltans. Das possierliche Tierchen ist Namenspatron einer bekannten Ötztaler Wanderveranstaltung, die über einen der schönsten Übergänge der Alpen führt. Seit 1972 wird der hochalpine „Gletscherflohmarsch“ alljährlich im August zwischen Orbergurgl und Vent ausgetragen; 2017 feierte die beliebte Sportveranstaltung ihr 45. Jubiläum.

Küppelehütte - Ötztaler Gletscherflohmarsch
Küppelehütte im Vordergrund, Gurgler Ferner im Hintergrund
© Alexander Lohmann / Ötztal Tourismus

Vom Start weg beste Aussichten

Es ist kurz vor acht Uhr, als ich den Startpunkt in Obergurgl passiere. Das ist spät. Die ersten Flohmärschler starten schon um sechs Uhr. Doch das Hotel-Frühstück mitsamt Ötztaler Granten war einfach zu gut.

Das Dorf liegt noch in der Morgenruhe, die Gipfel sind wolkenverhangen, als ich vom Dorfplatz losmarschiere. Nach der Brücke über die Gurgler Ache zieht der Weg stetig höher. Das regelmäßige Steigen ist gut zum Warmlaufen, dabei wirkt die Sicht auf den Gurgler Ferner höchst motivierend. Vorbei geht es an der urigen Küppelehütte aus Naturstein, die sich in lauschige Bergwiesen duckt.

Eine Handvoll schwarzer Schafe grast am Wegrand, Murmeltiere pfeifen, schmale Bäche mit Schmelzwasser rauschen bergab. Wo Wasser ist, sind Menschen – so auch hier. Zu zweit, zu dritt machen sie in Grüppchen am Bach Trinkpause, halten einen kurzen Ratscher.

Ein Marsch für Trailrunner, Familien, Genusswanderer

Wem man begegnet bei diesem Marsch? Menschen zwischen sechs und 77 Jahren. Da ist zum Beispiel ein Drei-Generationen-Team aus dem nahen Rietz im Oberinntal. Opa Manfred, Jahrgang 45, lief früher Marathon. Heute wandert er mit Tochter Evelyn und Enkelin Maria, 10 Jahre, erstmals beim Gletscherflohmarsch mit.

Er sagt: „Die Gehzeit spielt für mich keine Rolle. Es ist schön hier mit Murmeltierschauen und Stoana sammeln“. Neben schneidigen Trailrunnern trifft man ambitionierte Pärchen ebenso wie Genusswanderer oder ganze Familien mit Hund, Kind und Kegel.

Murmeltier - Ötztaler Gletscherflohmarsch
Auge in Auge am Wegesrand: Mensch trifft auf Murmeltier
© Bernd Ritschel / Ötztal Tourismus

Steil nach oben

Weg zum Ramolhaus - Ötztaler Gletscherflohmarsch
Serpentinenweg mit Hüttenblick: Schon von weitem ist das erste Etappenziel Ramolhaus zu erkennen
© Alexander Lohmann / Ötztal Tourismus

Der Steig windet sich in Kehren höher, liefert verwegene Aussichten auf‘ s erste Etappenziel. Verwegen thront das Ramolhaus in 3000 m Höhe über der jäh abstürzenden Bergflanke. Wenn es frisch geschneit hat – nicht ungewöhnlich für den Spätsommer im Hochgebirge – , bietet sich dem Wanderer ein besonders reizvolles Bild. Wenn es dann wieder aufreißt und die Sonne die letzten Nebelschwaden und Schneereste wegbrennt, stehen sie fast schon königlich da, die frisch geweißelten Ötztaler Dreitausender in ihrem glänzenden Gewand.

Das Ramolhaus thront über steilem Abgrund - Ötztaler Gletscherflohmarsch
Adlerhorst am Abgrund: 3006 m hoch gelegen, gibt das Ramolhaus grandiose Aussichten © DAV Sektion Hamburg

Verdiente Rast am Ramolhaus

Auf der Terrasse des Ramolhauses stempeln Ötztaler Helfer die Wanderpässe ab, tragen die Zeit ein und schenken Tee und Suppe aus heißen Thermoskannen aus. Die ersten kommen schon weit vor 8 Uhr morgens am Ramolhaus an.

Rund 200 Leute nehmen meistens am Gletscherflohmarsch teil. 20 Prozent von ihnen sind sehr gut trainiert, auch viele Ötztal-Urlauber machen mit. Eine kurze Rast muss sein, hier oben bei der Hütte, die Aussicht will genossen sein. Manch einer steigt schon jetzt aus dem Berglauf aus, denn die Sicht auf den Gurgler Ferner ist so überwältigend, dass man meinen könnte: „Schöner kann’s einfach nicht werden!“

Ein echter Höhepunkt auf 3200 m

Ich ziehe weiter, den Wegweisern nach, quere letzte Reste des Ramolferners, ein paar Gletschertische zieren das Eis. Kühl strahlt der Schnee von unten ab, von oben sticht die Sonne. Dann eine Kraxeleinlage, versichert geht es die letzten 80 Meter zum Joch hinauf. Hand an den Fels anzulegen macht richtig Spaß.

Vom Joch weht schon die rote Fahne – sie markiert mit 3200 m den Höhepunkt der Tour. Mit dem „Guggar“, dem Feldstecher, hocken einige Bergwachter in den Felsen, beobachten den Aufstieg der Flohmärschler im letzten Steilstück. Am Ramoljoch, begrüßen sie die Höhenwanderer und servieren als Belohnung gekühlten Obstler mit Blick auf die markante Wildspitze. Stolz steht sie da und grüßt aus der Ferne.

Fixseile auf dem Weg zum Ramoljoch - Ötztaler Gletscherflohmarsch
Versichert kraxeln: Die letzten Meter zum Ramoljoch
© Johannes Brunner / Ötztal Tourismus

Bergab ins benachbarte Venter Tal

Wanderer am Ramoljoch - Ötztaler Gletscherflohmarsch
Endlich oben: Vom Ramoljoch geht es nur mehr gemütlich bergab © Bernd Ritschel / Ötztal Tourismus

Ab jetzt geht’s nur noch bergab: Teils über losen Schotter, dann über Blockgelände. Zur linken ruht ein kleiner Gletschersee im Spiegelferner, dann folgt ein langes Wegstück über Gestein hinunter nach Vent. Nach den Nichtfarben aus Stein, Schnee und Eis nimmt das Auge die Farbtupfer sensibel wahr: Im Vorbeigehen blitzt himmelblauer Schusternagel auf, daneben blüht blasslila der Deutsche Enzian. Den dritten Stempel kassiere ich auf dem beeindruckenden Aussichtsbalkon von Langeben.

Blick auf sommerliches Vent - Ötztaler Gletscherflohmarsch
Eingebettet in die Bergwelt: Der Zielort Vent
© Anton Brey / Ötztal Tourismus

Geschafft – am Ziel!

Etwas tiefer döst Tiroler Grauvieh mit halb geschlossenen Augen in den Almwiesen, die Luft ist schwer vom Duft der Zirben und Wacholdersträuche, der Waldboden federt. Dann dringt Tschingderassassa vom Talboden herauf. Das sonst so stille Bergorf Vent feiert die Ankömmlinge mit Pauken und Trompeten. Jetzt ist es wirklich erreicht, das Ziel, nach 16 Kilometern und 1300 Höhenmetern. Zur Belohnung gibt‘ s das goldene Gletscherflohabzeichen, eine Urkunde, ein Foto – und den verdienten kalten Drink.

Es scheint fast unvorstellbar: Der Streckenrekord liegt bei knapp zwei Stunden. Er stammt aus den Zeiten vor dem Klimawandel, als man den Spiegelferner noch blitzartig auf dem Hosenboden hinunter rutschen konnte … Respekt, sagen wir und ganz stolz: Prost!

Info

Der Gletscherflohmarsch startet zwischen 6 und 8 Uhr am Dorfplatz in Obergurgl. Wer das Ziel beim Gemeindehaus in Vent bis 16 Uhr erreicht – und die Kontrollstationen am Ramolhaus, Ramoljoch und Langeben passiert hat – erhält das Gletscherfloh-Abzeichen in Gold. Pokale gibt es für die/den 3 schnellsten TeilnehmerInnen, für die/den ältesten TeilnehmerIn und für die/den jüngsten TeilnehmerIn.

Für die Teilnahme ist beim Start ein Nenngeld von 15 Euro zu entrichten. Darin inkludiert ist der Bus von Vent nach Obergurgl und der Taxi-Rücktransfer von Vent nach Obergurgl sowie ein Getränk im Zielgelände. Kinder bis 14 Jahre und Senioren ab 60 Jahren bezahlen 8 Euro Startgeld.

Weitere Infos findest du unter www.obergurgl.com/gletscherflohmarsch

(Titelbild: © Johannes Brunner / Ötztal Tourismus)

Gastautorin Franziska Horn - Ötztaler Gletscherflohmarsch
© Franziska Horn

Gastautorin Franziska Horn

Die freie Autorin schreibt für namhafte deutschsprachige Magazine über Kultur und Architektur, über Reisen, Menschen, Berge und Outdoorsport.

Im Ötztal und für das ÖTZTAL MAGAZIN ist sie seit Jahren vor allem auf den Weitwander- und Höhenwegen wie dem Ötztal Trek unterwegs.

Ötztal Magazin

Begleite Franziska Horn auf dem Gletscherflohmarsch und lies ihre Reportage „Alpinflöhe auf Höhentrip“ im ÖTZTAL MAGAZIN Sommer 2018. Das Printmagazin mit den aktuellsten und interessantesten Geschichten zur Ötztaler Frühlings-, Sommer- und Herbstsaison erhältst du in den Sprachen D/EN/NL kostenlos in allen Informationen des Ötztal Tourismus. Unter der Adresse www.oetztal.com kannst du es bestellen und dir frei Haus zustellen lassen oder als Blätterkatalog betrachten.

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... verschiedene Gastautoren berichten über ihre Erfahrungen im Ötztal.

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